Aufstehen, Schaufeln, Essen, 2 Bier, Schlafen.

Aufstehen, Schaufeln, Essen, 2 Bier, Schlafen.

Womit verdient ein Guide Geld, wenn er nicht auf dem Radl sitzt? Ich zum Beispiel sitze auf dem Bürostuhl – zugegeben, ein komfortabler und ergonomischer – und mache Produktmanagement. Andere unterrichten Fahrschüler. Oder bauen Trails. Wie Christoph. Das fand ich spannend! Und habe ihm ein paar Fragen gestellt. 

Christoph, du bist Trailbauer. Wie erklärst Du deinen Eltern, womit Du dein Geld verdienst?

Ich glaub Trailbauer ist ein unglücklicher Name. Shaper finde ich auch nicht so ganz passend, da meiner Meinung nicht nur der Shape wichtig ist, sondern der ganze Trail und alles was damit zusammenhängt. Zum Beispiel das Material, die seitlichen Böschungen oder auch die Beschilderung. Ich sehe mich als Bauingenieur für den Mountainbike-Streckenbau.

Mein Vater ist selbst begeisterter Radfahrer und ich habe ihm vor kurzem ein paar Strecken gezeigt, natürlich mit dem E-Bike (lacht).

Toll, dann verstehen deine Eltern also was du machst. Wie bist du mit dem Trailbau in Kontakt gekommen?

Das ist schon lange her – da war ich noch Teenager. Das Coolste am Mountainbiken war für uns damals mit dem Bike irgendwo runter oder drüber zu springen. Dafür bauten wir uns im Wald unsere eigenen Sprünge und um genug Anlauf zu haben, mussten wir quasi notgedrungen auch die Anfahrt präparieren (grinst).

Welches ist der erste Trail für den du bezahlt wurdest?

In Oberammergau gibt es einen kleinen feinen Bikepark. Dort habe ich geholfen bestehende Strecken zu warten und neue Streckenabschnitte zu bauen. Ist übrigens ein super sympathischer Bikepark. Ich würde mich freuen wenn sich der eine oder die andere mal dort blicken lässt!

Du hast acht Jahre als Bauingenieur gearbeitet. Wie kam es dazu, dass du diesen Beruf aufgegeben hast und angefangen hast Trails zu bauen?

Eigentlich habe ich den Beruf nicht aufgegeben. In meiner Ausbildung und Arbeit als Bauingenieur im Bereich Geotechnik und Tunnelbau habe ich viel gelernt, was für die Selbständigkeit und für den Mountainbike-Streckenbau wichtig ist. Aufgeben habe ich allerdings den 40+ Stunden-Angestellten-Job. Die Bauindustrie ist ein sehr spannendes und hochkomplexes System mit vielen Facetten. Aber leider ist der Markt auch sehr umkämpft und die Unternehmen sind gezwungen durch Billigstangebote an Aufträge zu kommen. Dadurch kommt es bei der Ausführung meist zu extremen Stresssituationen. Es wird sehr viel ums Geld gestritten und die Ingenieurskunst bleibt dabei leider oft auf der Strecke.

Im Mountainbike-Streckenbau ist noch vieles sehr einfach und es sind nicht bei jedem Projekt Rechtsanwälte involviert. Außerdem bin ich gerne draußen und geh gerne biken. Also quasi zwei Fliegen mit einer Klappe.

Wie sieht dein typischer Arbeitstag aus?

Aufstehen, Schaufeln, Essen, 2 Bier, Schlafen.

Mit welchen Menschen hast du beim Trailbau zu tun?

Ich hatte das große Glück einige bereits etablierte Personen des Trailbaus in Tirol zu kennen. Alleine geht nichts! Man braucht immer Partner und Kooperationen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an Sabine Oswald und Daniel Tulla von Mountainbike Movement, welche einen riesigen Erfahrungsschatz aus der Durchführung internationaler Rennveranstaltungen und Streckenbau im Mountainbikebereich vorweisen können! Ebenso an den Singeltrailguru Picco und Nordkettenhausmeister Benedikt Purner.

 

Welche Regularien musst du beim Trailbau und bei der Planung berücksichtigen?

Das kann sehr variieren. Aber hauptsächlich ist es wichtig, von Beginn an alle Interessensgruppen an einen Tisch zu holen – zum Beispiel Grundeigentümer, Forst, Jagd, Naturschutz, Rettung, Gastronomen, Skischule, Bürgermeister et cetera – und eine für jeden zufriedenstellende Lösung zu finden.

Zur Zeit arbeite ich an einem neuen Trail in Nauders am Reschenpass. Dort gibt es eine ökologische Bauaufsicht, welche den gesamten Bau begleitet. Es ist wichtig, dass die sensiblen Bereiche des Waldes geschützt bleiben. Zum Beispiel Ameisenhügel stehen unter Naturschutz und wir müssen den Trail drum herumbauen, falls sich die Wege mit einer Ameisenpopulation kreuzen.

Was musst du bezüglich Versicherung und Haftung bei deiner Arbeit berücksichtigen? Haftest du zum Beispiel, wenn ein Biker aufgrund der Trailform verunglückt? Wenn ja, wie kannst du das ausschliessen?

Als Selbständiger in Österreich gibt es die Möglichkeit ein Wegebaugewerbe anzumelden. Ich habe das Gewerbe Erdbau als Teilgewerbe des Baumeistergewerbes angemeldet. Das berechtigt mich unter anderem Wege und dafür notwendige Böschungssicherungen und Drainagen zu errichten. Eine Betriebshaftpflichtversicherung war Voraussetzung für die Gewerbeanmeldung. Diese gilt allerdings nur für den Bau. Das heißt ganz einfach: In der Bauzeit bin ich für den Trail verantwortlich. Nach Fertigstellung übergebe ich den Trail an meinen Auftraggeber und dieser kann ihn dann für eine Befahrung frei geben. Die Haftung liegt dann meistens beim Betreiber der Strecke.

Und wie stellst du sicher, dass die Trails, die du baust auch funktionieren?

(Lacht.) Top Secret! Spaß beiseite. Es ist sicher schwierig bis unmöglich einen Weg zu bauen der für alle funktioniert. Das Wichtigste ist, das keine Biker und keine Bikerin einer Gefahr ausgesetzt wird und ein guter Flow entsteht. Das hat viel mit einem gleichmäßigen Gefälle und gekonnter Streckenplanung zu tun.

Wie muss ich mir ein typisches Trailbau-Projekt vorstellen? Wer initiiert es? In welche Schritte gliedert es sich? Und wie lange dauert es?

Zur Zeit sind es vor allem Liftbetreiber, welche ihr Angebot in den Sommermonaten verbessern möchten. Zuerst wird eine Machbarkeitsstudie erstellt, wo festgestellt wird was im betreffenden Gebiet wo Sinn macht. Dann werden die Streckenverläufe grob fixiert und um eine Baubewilligung angesucht. Sind alle behördlichen Hürden genommen, kann es mit dem Bau losgehen.

An welchen Projekten arbeitest du normalerweise? Baust du hauptsächlich neue Trails? Oder setzt du bestehende Trails in Stand?

Im Moment werden noch viele neue Projekte realisiert, allerdings wird die Wartung von Trails immer wichtiger, da immer mehr Biker auf den Strecken unterwegs sind und die meist naturbelassenen Wege den ständigen Belastungen nicht standhalten können. Der Anspruch an haltbare Trails steigt gerade enorm und viele Gebiete überlegen sich, wie sie ihre Trails auf Dauer in einem wirtschaftlichen Maß erhalten können. Ich denke, dass in Zukunft einige Gebiete bewusst einige Streckenabschnitte oder ganze Trails temporär sperren werden, damit diese sich wieder erholen können.

Welche deiner Kenntnisse und Fähigkeiten, die du als Bauingenieur erworben hast, kommen dir beim Trailbau zu Gute?

Da gibt es einiges. Es fängt bei der Planung an. Im Studium lernt man den Umgang mit Zeichenprogrammen wie z.B. AutoCad, aber auch die Bedeutung der verschiedenen Bodenparametern. Ein guter Boden ist stabil, kann gut verarbeiten werden, aber lässt auch z.B. bei Regenwetter das Wasser gut versickern. Solches künstlich hergestelltes Bodenmaterial wird üblicherweise bei Forststrassen verwendet. Beim Trailbau ist man jedoch meistens bestrebt den jeweils anstehenden Boden zu verwenden. Das hat den Vorteil, dass nicht Unmengen an Fremdmaterial in den Wald gebracht werden muss, stellt aber auch eine große Herausforderung dar, wenn der Boden im Wald beispielweise sehr humushaltig ist oder nur aus groben Steinblöcken besteht. Letztlich sind es auch gerade die vertraglichen Dinge mit denen ich mich als Bauingenieur herumschlagen musste, welche bei einem Bikeparkprojekt natürlich auch nicht ganz ausbleiben.

Für den Trailbau braucht man einiges an Maschinen. Hast du einen kompletten Maschinenpark? Wenn nicht: woher bekommst du die benötigten Geräte und Maschinen?   

Die großen Baumaschinen wie Bagger oder Dumper können gemietet werden. Die Anschaffung und der Erhalt solcher Maschinen ist mit einem großen finanziellen Risiko verknüpft. Handwerkzeuge wie Schaufeln, Haken und Rechen sollten aber schon vorhanden sein.

Was war dein bisheriges Highlight beim Trail bauen?

Der Trail in Nauders am Reschenpass.

Anmerkung: Die Fotos in diesem Post sind vom Trailbau in Nauders. Christoph hat sie mir zur Verfügung gestellt. Danke dafür :)

Kannst du dir vorstellen, in 20 Jahren noch Trails zu bauen?

Ja klar. Ich bin davon überzeugt, dass Mountainbiken sich zum absoluten Breitensport entwickelt. Dafür müssen zwangsläufig immer mehr Strecken und Räume geschaffen werden. Ich könnte mir allerdings auch gut vorstellen, dass ich noch eine Karriere als Hausmann mache und mich von einer smarten Businessfrau aushalten lasse (grinst).

Ich nehme an, dass du dir mit deinem Berufswechsel einen Traum erfüllt hast. Welche weiteren Träume hast du?

Ja im Moment bin ich sehr glücklich Beruf und Hobby unter einen Hut gebracht zu haben.

Aber es geht natürlich immer noch besser (lacht). Ich habe meine Wehrpflicht beim Hochgebirgszug der Gebirgsjäger in Mittenwald abgeleistet. Dazu gehörte eine Ausbildung als Bergretter und Flugretter mit dem Helikopter. Irgendwie würde ich gerne wieder öfters in einem Hubschrauber sitzen. Ein Traum von mir ist es als Helibike Guide zu arbeiten. Daher lade ich jeden ein, sich über den neuen Helibike-Scouting Trip von Furtenbach Adventures zu informieren, den ich in 2017 guiden werde!

Anmerkung: Infos zum Trip gibt es hier.

Abgesehen von deinen Bauingenieurs- und trailbauerischen Fähigkeiten - was kannst du noch gut?

Ich bin recht faul, trete oft in Fettnäpfchen und sollte manchmal einfach meine Klappe halten (grinst.)

Herzlichen Dank für das aufschlussreiche Interview, Christoph!

Wer mehr zu Christophs Arbeit erfahren möchte, findet weitere Informationen auf seiner Website.

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