Isarradweg mit Kind: Mit meiner 5-jährigen Tochter von Schäftlarn zum Isarursprung - Erlebnisbericht & GPS Track

Isarradweg mit Kind: Mit meiner 5-jährigen Tochter von Schäftlarn zum Isarursprung - Erlebnisbericht & GPS Track

Kurz nach dem 2. Geburtstag von S. habe ich meine erste Mehrtagestour alleine mit meiner Tochter gemacht. Eine 5-tägige Hüttentour durch die Dolomiten. Das war der Plan. An Tag zwei sind wir umgedreht, nachdem zwei entgegenkommende Mountainbiker meine Frage nach meinen Chancen zur Hütte zu fahren mit „In this situation? No way!" beantwortet haben. Selbstverständlich hatte ich die Tour sorgfältig geplant und mich mit Test-Touren vorbereitet. Doch S. wollte ihren Mittagsschlaf partout nicht im Anhänger machen (was sonst gut geklappt hat). Das bedeutete, ich fuhr einhändig die steilen Schotterwege, weil ich mit der anderen Hand meine müde Tochter vor mir auf dem Kids Ride Shotgun-Sitz halten musste. Das war auf Dauer zu gefährlich. Und trotzdem war diese Mountainbiketour ein wunderbares Erlebnis.

Diesen Sommer habe ich es wieder probiert. Wieder mit der inneren Erlaubnis scheitern zu dürfen. Und zusätzlich mit meinen Learnings aus den Dolomiten: Weniger (Höhenmeter) ist mehr (Spaß mit Kind und Anhänger).

Die konkreten Anforderungen waren daher schnell klar: Eher flach, da S., die gerade 5 Jahre alt geworden ist, jetzt auch schon sicher selber auf ihrem Early Rider Fahrrad fährt, Schotter ist ok, aber keine Trails, weil ich für unser Gepäck den Anhänger noch brauche. Was liegt da nahe? Eine Tour an einen Fluss entlang. Meine Wahl fiel auf den Isarradweg: von Schäftlarn bei München bis zum Isarursprung im Karwendel. Die rund 120 km und etwa 900 hm habe ich auf 5 kurze Etappen aufgeteilt, damit wir ausreichend Zeit für Pausen haben und spontan wo länger bleiben können, wenn es uns gefällt. Denn genau das schafft die Erlebnisse, die Touren mit Kindern besonders machen

In 5 Etappen von München zum Isarursprung: Unsere Route im Überblick inkl. GPS-Tracks

Immer der Isar folgen: Von Schäftlarn bei München bis zu ihrem Ursprung im Karwendel. So simpel ist unsere Route. Die Landschaft verändert sich dabei spürbar, von der breit und ruhig dahinfließenden Isar bei Schäftlarn über die sanfte Voralpenidylle rund um Lenggries bis zu den schroffen Karwendelgipfeln oberhalb von Scharnitz. Und das Schöne an einer Flussroute: Sie geht immer irgendwie bergauf, aber nie so steil, dass es mit Kind und Anhänger unfahrbar wird.

Etappe 1 (So): Schäftlarn bei München > Hechenberg bei Bad Tölz; ca. 29 km, ca. 150 hm; GPS-Track auf Outdooractive

Etappe 2 (Mo): Hechenberg bei Bad Tölz > Lenggries; ca. 22 km, ca. 160 hm; GPS-Track auf Outdooractive

Etappe 3 (Di): Lenggries > Vorderriß; ca. 23 km, ca. 160 hm; GPS-Track auf Outdooractive

Etappe 4 (Mi): Vorderriß > Scharnitz; ca. 34 km, ca. 290 hm; GPS-Track auf Outdooractive

Etappe 5 (Do): Scharnitz > Isarursprung > Scharnitz; ca. 24 km, ca. 280 hm; GPS-Track auf Outdooractive

Etappe 1: Schäftlarn bei München > Hechenberg bei Bad Tölz

Mein Ziel für den ersten Tag: Einrollen und entspannt in den Flow unserer Tour kommen. Deshalb sparen wir uns auch den Weg durch das verkehrsreiche München und starten etwas außerhalb der Stadt in Schäftlarn.

Schon nach den ersten Metern gibt es was zu gucken: Flößer, die über die Isar schippern. Die erste Etappe ist flach, S. fährt ein gutes Drittel auf ihrem Early Rider selbst. Und als hätten die Flößer das bereits gewusst, bieten sie uns eine Flasche Spezi an und werfen uns eine Packung Gummibärchen zu.

In Wolfratshausen machen wir eine Eis-Pause und in Geretsried gibt es Pasta zum Mittagessen. Kurz vor dem Ziel legen wir wegen akuter Müdigkeit mitten auf dem Radweg eine Pause ein und stärken uns mit einer Handvoll Flößer-Gummibärchen. Das veranlasst einen vorbeifahrenden Krankenwagenfahrer anzuhalten und uns zu fragen, ob alles okay ist. Sehr aufmerksam!

In Hechendorf landen wir mitten im Dorffest mit Kinderschminken und Traktor-Parcours - Paradies für Kinder und natürlich auch für S. Und zum Abendessen kommt M. spontan aus München dazu. Eine Stunde Autofahrt für einen Abend mit uns und für die ausgesprochen gute Küche im Moarwirt.

Genau das liebe ich an solchen Touren: die Zufälle und Überraschungen, die unterwegs passieren.

S. schläft mit müden Beinen ein. Und ich mit dem Glücksgefühl, dass mein Plan für die erste Etappe aufgegangen ist und der Start unserer Fahrradtour von München zum Isarursprung noch viel schöner war, als ich ihn mir gewünscht hatte.

Übernachtung und Abendessen: Moarwirt, Hechenberg

Etappe 2: Hechenberg bei Bad Tölz > Lenggries

Nach einem Spaziergang durchs Dorf und Besuch bei den Kühen inklusive Plausch mit dem Bauern radeln wir Richtung Bad Tölz. Dort habe ich eine Badepause in der Isar fest eingeplant. Sie kommt unverhofft früher, als uns die Route zufällig am Naturfreibad Eichmühle vorbeiführt. In der Isar kühlen wir uns später trotzdem nochmals ab und nutzen die Gelegenheit gleich für ein Picknick. Und ein Eis gibt's natürlich auch wieder.

Ab Bad Tölz fährt S. wieder eine gutes Stück selbst. Wir stoppen bei Ziegen und Hühnern, die am Wegesrand weiden. Beim Anblick eines riesigen Trampolins vor unserer Unterkunft im Christlhof ist S.' Energie plötzlich wieder vollständig vorhanden.

Zum Abendessen geht es in den nahegelegenen Jaudenstadl – wobei „gehen" nicht ganz stimmt. S. besteht darauf, mit dem Fahrrad zu fahren. Ich gehe zu Fuß. Die Wartezeit auf die Käsespätzle überbrückt sie mit Seilbahn-Fahren. Müde Beine? Kennt sie heute offenbar nicht.

Übernachtung: Christlhof, Lenggries

Abendessen: Jaudenstadl, Lenggries

Etappe 3: Lenggries > Vorderriß

Den Tag starte ich direkt mit ein paar extra Kilometern: Ich interpretiere ein Isarradweg-Schild falsch und fahre Richtung Jachenau. Auch sehr schön, aber nicht unser Ziel.

Den Anstieg zum Sylvensteinspeicher fährt S. zu einem Großteil selbst. Wer die Strecke kennt, weiß: Da kommen ein paar Höhenmeter zusammen. Oben angekommen legt sie sich erschöpft auf den Boden und streckt alle Viere von sich. All out!

In Fall stärken wir uns mit Knödeln, bevor wir eine Badepause am Sylvensteinspeicher einlegen. Dort fällt mir mein Fahrradschloss-Schlüssel unbemerkt aus der Tasche. Zum Glück sieht das der aufmerksame 12-jährige T. Er ist mit seiner Mama N. ebenfalls mit dem Fahrrad unterwegs. Schnell stellt sich heraus, dass wir das gleiche Ziel haben: Vorderriß bzw. Scharnitz am nächsten Tag.

In Vorderriß gibt es im Gasthof Post für jede von uns erst einmal ein kaltes Getränk und für S. eine ausgedehnte Lese-und-Mal-Pause. Während S. Den Tag mit Buntstiften Revue passieren lässt, höre ich immer wieder ein großes Hallo: Wandernde, die auf dem Fernwanderweg München–Venedig unterwegs sind und sich über die letzen Tage immer wieder begegnet sind, begrüßen sich herzlich. Die meisten kannten sich vorher nicht, höre ich raus. Aber die gemeinsame Route verbindet offensichtlich. Beim Abendessen sind wir zusammen mit N. und T. die einzigen Fahrradfahrenden unter Wandernden und fühlen uns trotzdem dazugehörig.

Übernachtung und Abendessen: Gasthof Post Vorderriß (einzige Unterkunft vor Ort, frühzeitig buchen!)

Etappe 4: Vorderriß > Scharnitz

Zusammen mit N. und T. starten wir durch das Isartal ins Karwendel. Wir entscheiden uns für die Scenic Route mit welligem Höhenprofil und gegen die Mautstraße, auf der der Isarradweg offiziell verläuft. Sophia sitzt vorne auf dem Kids Ride Shotgun-Sitz. Bergauf sind wir durch unser Light E-Bike manchmal etwas schneller. An einer Weggabelung hinterlasse ich einen Zettel, damit N. und T. wissen, wo es langgeht.

Vor dem Aufsteigen checke ich routinemäßig ob Fahrradanhänger und Sophias Fahrrad sicher befestigt sind. Ich entdecke, dass die Kupplung vom Anhänger ausgerissen ist und nur noch über das Sicherungsband mit meinem Mountainbike verbunden ist. Oh Schreck. Was für ein Glück. Beides schießt mir gleichzeitig durch den Kopf. Hätte ich das nicht entdeckt, wären wir auf der steilen Abfahrt sicher gestürzt, denn das Sicherungsband verhindert nicht, dass die Deichsel des Anhängers ins Hinterrad rollt...

Die Bilder vor meinem inneren Auge schiebe ich schnell beiseite und prüfe innerlich unsere Optionen. Ich rufe M. an. Es ist ohnehin geplant, dass er heute mit dem Van aus München kommt, weil wir zu dritt in Scharnitz campen und am nächsten Tag gemeinsam zum Isarursprung radeln wollen. Wenn wir den Fahrradanhänger zur nächsten Straße bringen können, kann er ihn im Van mitnehmen.

Da kommen N. Und T. angeradelt. Auf der Karte sehen wir, dass es wenige Kilometer weiter eine unbewirtschaftete Alm gibt, an der wir den Anhänger stehen lassen und später holen können. Von dort ist die nächste Straße 15 Minuten zu Fuß entfernt.

N. und T. helfen uns, den Anhänger mit Gepäck, Sophias Fahrrad und mein Mountainbike den Berg hinunter zu bringen. Ich schiebe den Anhänger mit einer Hand, mit der anderen das leichtere Fahrrad von N. N. schiebt mein E-Bike, T. fährt vor und checkt den Weg, S. läuft.

Während S. und ich kurz vor Krün auf M. warten, kühlen wir uns in der Isar ab. Das ist ein schönes Plätzchen für ein Picknick. Wer plant, hier Pause zu machen, kauft am besten schon in Lenggries ein. S. fährt mit M. im Van zum Campingplatz, ich mit dem Mountainbike.

Trotz Mechanical ein herrlicher Tag. In Erinnerung bleibt mir die Hilfsbereitschaft von N. und T. und der Abend zu fünft, weil der Zufall wollte, dass wir im gleichen Restaurant landen. Manche Pannen bringen die richtigen Menschen zusammen.

Übernachtung: Karwendelcamp, Scharnitz (Campingplatz)

Abendessen: Lorenz, Scharnitz

Etappe 5: Scharnitz > Isarursprung und zurück

Schon vor der Anhänger-Panne war der Plan: Die letzte Etappe fahren wir zu dritt, S. sitzt vorne im Kids Ride Shotgun-Sitz, ihr Early Rider und der Anhänger bleiben am Campingplatz. Fast genau so machen wir es. Bis auf einen Punkt: S. möchte unbedingt selbst fahren.

Sie fährt etwa ein Viertel der Strecke selbst, mit Support von M. oder mir, denn es ist recht steil. Dann deponieren wir ihr Fahrrad am Wegesrand und nehmen es auf dem Rückweg wieder mit.

Der Forstweg zum Isarursprung ist richtig schön. Anfangs fahren wir direkt neben der Isar, dann steigt der Weg an und sie zeigt sich unten im Tal. Am Ursprung kühlen wir uns ab und picknicken (dort gibt es keine Einkehrmöglichkeit, also ausreichend Proviant einpacken). Das Wasser ist wirklich kalt! Dann gehen wir zur Quelle 2. Die Isar hat mehrere Quellen, diese sprudelt das ganze Jahr. Auf dem Rückweg bietet sich uns wieder die herrliche Karwendel-Landschaft. Ein würdiger Abschluss.

Im Van zurück nach München fragt S., wann wir das nächste Mal so eine Tour machen. Das ist Antwort genug. Ich weiß es noch nicht. Aber ich freue mich schon drauf :)

Heimreise: Mit dem Zug von Scharnitz oder Mittenwald zurück nach München.

Alleine mit Kind auf dem Isarradweg: Meine Erkenntnis

Auf meiner ersten Mehrtagestour alleine mit S. in den Dolomiten bin ich umgedreht. Dieses Mal sind wir wie geplant an unserem Ziel angekommen. Das macht mich glücklich und stolz!

Was war diesmal anders?

Mehr Raum für Spontaneität, für das, was sich unterwegs ergibt: Mit den Einheimischen in Hechendorf feiern, im Sylvensteinspeicher baden, N. und T., die uns nach der Anhänger-Panne einfach geholfen haben, mich ins eiskalte Wasser am Isarursprung legen.

Dazu kommt die Routenwahl: Der Isarradweg führt immer wieder durch Dörfer und Städte mit Einkehrmöglichkeiten und Bahnhöfen. Diese Exit-Optionen geben Sicherheit und Flexibilität und schaffen den Spielraum, den Eltern für eine Mehrtagestour mit Kind brauchen.

Und es gibt noch etwas, das mich überrascht hat: Wie bereichernd ich es finde, langsam durch eine Gegend zu reisen, die ich eigentlich schon kenne. An der Isar bin ich schon unzählige Male entlang geradelt oder gelaufen (bis zu ihrem Ursprung bin ich bisher allerdings noch nicht gekommen ;)). In und um Bad Tölz, Lenggries, Sylvensteinspeicher und Scharnitz war ich schon oft. Auf unserer Fahrradtour habe ich das alles mit neuen Augen gesehen. Slow Travel vor der eigenen Haustür.

Meine Erkenntnis aus dieser Tour: Ich muss keine Berge bezwingen. Ich muss auch keine abgelegene Route fahren für ein Abenteuer mit meiner Tochter. Und weit weg muss ich auch nicht fahren. Die Erlebnisse und Abenteuer ergeben sich unterwegs.

Wenn du überlegst, ob du eine mehrtägige Fahrradtour mit deinem Kind wagen sollst, vielleicht sogar alleine: Tu es. Trau dich!


Dieser Artikel basiert auf einer selbst organisierten und selbst finanzierten Tour. Keine Kooperation, keine Pressereise.

Weihnachtsgeschenke für Mountainbiker und Mountainbikerinnen – 10 Geschenkideen für Trail, Reise und Erlebnisse

Weihnachtsgeschenke für Mountainbiker und Mountainbikerinnen – 10 Geschenkideen für Trail, Reise und Erlebnisse