„Heute war der beste Tag - trotz Regen!“

„Heute war der beste Tag - trotz Regen!“

Freunde, Arbeitskollegen und auch Teilnehmer fragen mich immer wieder, was mich dazu bewogen hat, in meinem Urlaub nicht nur zu arbeiten sondern ihn sogar mit unbekannten Menschen zu verbringen. Gute Frage.

Anderen Menschen Glücksmomente zu ermöglichen ist bereichernd

Die Vorstellung, es sei bereichernd, anderen Menschen Glücksmomente auf dem Mountainbike in der Natur zu ermöglichen war der Grund für mich mit dem Guiden zu beginnen. Diese Vorstellung hat sich als richtig erwiesen. Und das nicht nur auf den Touren, bei denen oft allein die Bergkulisse spektakulär ist. Da muss ich als Guide nicht mehr machen, als mit Blick für das Schöne durch die Berge zu biken und an der richtigen Stelle zum richtigen Zeitpunkt eine Pause einlegen – und voilà, da ist er, der Glücksmoment für uns als Gruppe. Und die persönlichen Glücksmomente erlebt jeder Teilnehmer individuell und allerorts. So wie Uwe.

„Ich geniesse jeden einzelnen Schritt.“

Wir schoben unsere Bikes nebeneinander in der Augusthitze eine steile Schotterrampe hoch. Uwe hielt kurz an um zu verschnaufen und wischte sich die Schweissperlen von der Stirn. „Ich geniesse jeden einzelnen Schritt.“ platzte es aus ihm raus. Es war nicht ironisch gemeint. Sein Riesenlächeln im Gesicht kam direkt von innen. Für jemanden, der dieses Gefühl am Berg nicht kennt unverständlich. Absurd. Für Uwe ein Glücksmoment.

Wenn sich jeder Teilnehmer seinem persönlichen Lernziel nähert – das macht mich glücklich

Auch bei den Fahrtechnikkursen am Parkplatz gibt es diese Glücksmomente. Für meinen Kursteilnehmer ist es das neue „ich weiss was ich tue“-Gefühl, das zum Beispiel eine vormals einschüchternde Wurzelpassage in eine einladende Spielwiese verwandelt. Und für mich als Coach ist es der Wunsch eines Teilnehmers, eine Sektion nochmal zu fahren, weil „es macht so viel Spass wenn es klappt!“ Es macht mich jedes Mal aufs Neue glücklich zu sehen wie sich jeder Teilnehmer Schritt für Schritt seinem persönlichen Lernziel nähert. Und mancher am Ende des Kurses noch weiter gekommen ist als erwartet.

„Heute war der beste Tag - trotz Regen!“

Oder die Teilnehmer so konzentriert und lernbegierig sind, dass auch anhaltender Regen ihrer Laune und ihrem Lerneifer nichts anhaben kann. Ich kann mich noch gut an Angelika erinnern. Nach einem Tag Fahrtechnik-Training im Regen sagte sie klitschnass und mit leuchtenden Augen: „Heute war der beste Tag – trotz Regen! Ich bin noch nie so viele Spitzkehren durchgefahren. Danke!“

Schon am ersten Tourentag wird aus den einzelnen Teilnehmern eine Gruppe

Auf Tour wird schon im Verlauf von Tag eins aus den Teilnehmern, die sich meistens alleine oder zu zweit anmelden, eine Gruppe. Spätestens wenn abends alle in der Schlange vor der Gemeinschaftsdusche stehen und jeder von seinem persönlichen Highlight des Tages erzählt. Gemeinsame Erlebnisse verbinden. Jeder Anstieg der folgenden Tage ist eine neue Gelegenheit, die anderen Teilnehmer besser kennenzulernen. Ganz eigennützig. Denn: je interessanter das Gespräch, desto kürzer erscheint einem ein Berg. Ein Trick, den ich als Guide übrigens bei jedem längeren Anstieg anwende. Manchmal entstehen sogar Freundschaften, die die Tour oder den Kurs überdauern.  

 

Meine Teilnehmer inspirieren mich. Sie ermutigen mich. Sie beeindrucken mich.

Auf jeder Tour und bei jedem Kurs lerne ich besondere Menschen und einzigartige Persönlichkeiten kennen. Beeindruckt hat mich letztens Ute. Sie hat sich mit Freunden für eine anspruchsvolle Mehrtagestour durch die Dolomiten angemeldet und ist souverän die Berge hoch- und die Trails hinuntergesaust. Ute ist Mutter von drei Kindern. Und Mountainbiken ein Hobby, das sie nicht mit ihrem Mann oder den Kindern teilt. Wo nimmt sie die Zeit fürs Training her? Denn eins steht fest – so fit wie Ute wird man nicht durchs Nichtstun! Für diese schönen Begegnungen am Berg bin ich immer wieder aufs Neue dankbar. Meine Teilnehmer inspirieren mich. Sie ermutigen mich. Sie beeindrucken mich. Ich bewundere sie.

Guiden heisst auch permanente Selbstreflektion

Beim Guiden geht es für mich auch um permanente Selbstreflektion und darum, die eigene Komfortzone zu erweitern. Nicht fahrtechnisch und konditionell – im Gegenteil, da nehmen ich mich als Guide zurück (was natürlich auch eine Herausforderung sein kann). Meine Aufgabe als Guide ist es, die Gruppe sicher zur nächsten Hütte zu führen. Das Erweitern der Komfortzone bezieht sich vor allem auf das Zwischenmenschliche. Habe ich als Guide in einer Konfliktsituation in der Gruppe richtig reagiert? Was hätte ich in einer brenzligen Situation anders machen können? Auch das reizt mich. Auch das bereichert mich als Person.

Mit meiner Gruppe intensive Berg- und Bikeerlebnisse zu teilen ist nur ein Grund, warum ich das Guiden liebe

Mit meiner Gruppe intensive Berg- und Bikeerlebnisse zu teilen, sie dabei zu unterstützen noch mehr Fertigkeiten zu entwickeln und ihnen damit Spass am Trailfahren zu vermitteln – das zeichnet das Guiden für mich aus. Deswegen tausche ich regelmäßig den Bürostuhl gegen meinen Sattel und guide Touren durch die Alpen und die Dolomiten oder stehe auf dem Parkplatz und gebe Fahrtechnikkurse.

Der Stolz, der meinen Teilnehmern ins Gesicht geschrieben steht, wenn die Hütte nach einer anstrengenden Etappe ins Sichtfeld rückt und die Emotionen, die sie zeigen wenn sie eine schwierige Sektion durchgefahren sind und so über sich hinaus gewachsen sind – das sind Gründe, warum ich meinen Nebenjob als Mountainbike Guide liebe. Deshalb arbeite ich in meinem Urlaub, deshalb verbringe ich meinen Urlaub mit (anfangs) unbekannten Menschen.

Welches einzigartige Bergerlebnis verdankst du einer geführten Tour?

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