Ausserhalb der Comfort Zone in Richtung Tal - mein erster Trail

Ausserhalb der Comfort Zone in Richtung Tal - mein erster Trail

Wie genau er hieß - daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Dass ich mehr davon wollte - das weiß ich noch sehr genau!

«Das wird eh nix.»

Meinen ersten Trail habe ich einer Zufallsbekanntschaft zu verdanken: Eingezwängt zwischen dicken Wanderer-Rucksäcken, Mountainbikes und Outdoormenschen stehen mein damaliger Freund und ich in der Bayerischen Oberlandbahn. Wir sind auf dem Rückweg von einer unserer ersten Mountainbike-Touren in den Bayerischen Voralpen und kommen mit Thorsten ins Gespräch, der ebenfalls mit dem Mountainbike unterwegs ist. Er bietet an, uns mal auf einen Trail mitzunehmen. Wir tauschen Nummern aus. Und denken «das wird eh nix.» Falsch gedacht.

Falsch gedacht.

Thorsten hält Wort. Keine drei Wochen später stehe ich also oben am Berg. Vor mir ein schmaler Weg. Steil. Überall Steine. Grosse Steine. So meine Erinnerung. Wie ich den Trail heute einschätzen würde, kann ich nicht sagen – ich bin diesen Trail seitdem nicht mehr gefahren. Denn jetzt weiss ich, dass er für Mountainbiker gesperrt ist. Das hatte uns Thorsten verschwiegen bis wir unten angekommen waren. Und auch, dass er diesen Trail nicht ausgewählt hätte, hätte er gewusst, wie schwierig er ist.

 Von meinem allerersten Trail gibt es leider keine Bilder. Dieses ist aus meiner Anfangszeit - das Lächeln sitzt - die Fahrtechnik ist noch ausbaubar ;)

Von meinem allerersten Trail gibt es leider keine Bilder. Dieses ist aus meiner Anfangszeit - das Lächeln sitzt - die Fahrtechnik ist noch ausbaubar ;)

Ich rolle los - mit all meinem Mut. Und ohne Fahrtechnik.  

Es hilft nichts. Ich muss da runter. Falsch: Ich MÖCHTE da runter. Den breiten Weg, den wir hochgefahren sind, alleine wieder hinunter zu fahren, kommt für mich nicht infrage. Also stelle ich meinen Sattel tiefer – so wie Thorsten es mir rät, kratze ich all meinen Mut zusammen, steige auf mein Cube Attention und rolle los. «Hintern hinter den Sattel»* gibt er mir noch auf den Weg. Es läuft. Irgendwie komme ich über die Steine und Wurzeln und Absätze. Ich stürze – natürlich! Das hätte ins Auge gehen können. Der Lenker trifft zum Glück nur meine Sonnenbrille und zersplittert ein Glas. Mein Freund hilft mir auf, Thorsten stellt sicher, dass es mir und dem Radl gut geht. Und weiter geht’s - ausserhalb meiner Comfort Zone in Richtung Tal. Unten angekommen weiss ich eines: davon möchte ich mehr! Angesichts des Sturzes sehr verwunderlich. Ich muss wohl zwischendurch mal kurz in den Flow gekommen sein. Anders kann ich meinen Wunsch nach weiteren Grenzerfahrungen nicht erklären ;)

Bis dato hiess Mountainbiken für mich Forststrasse hoch, Schotterweg runter.

Mit dem Mountainbiken habe ich so begonnen wie fast jeder: mit Cross Country Touren –  ganz klassisch. Das waren für mich schon unglaublich schöne und intensive, neue Erlebnisse (die Berge waren früher nicht meins – zu wuchtig, zu beengend, zu gewaltig). Schon vom Forstweg aus gab es für mich so viel Neues zu sehen: Felsformationen. Weitblicke. Tiefblicke. Die Sonne, die durch dichtes Blätterwerk blinzelt. So viel zu entdecken! Der Trail an diesem Sommertag 2010 eröffnet mir eine neue Dimension. Ich war im Hier. Präsent. Ich habe an nichts Anderes gedacht - es gab nur den Trail und mich. Das ist auch heute noch so. Der Trail fordert meine Aufmerksamkeit. Zwingt mich im Jetzt zu sein. Bei mir zu sein. Zwingen im positiven Sinne.

Was nehme ich von meinem ersten Trail mit? Brennende Beine. Müde Arme. Das Wissen, mich ausserhalb meiner Comfort Zone bewegt zu haben. Ein breites Grinsen. Und den sehnlichen Wunsch, das Ganze zu wiederholen.


Wie hast du dich nach deinem allerersten Trail gefühlt? Ich bin neugierig, in den Kommentaren von euren allerersten Trailerfahrungen zu lesen!

 

* Diesen Fahrtechnik-"Tipp" habe ich mir inzwischen abgewöhnt - meistens jedenfalls ;)

Eurobike 2017 – Eindrücke und Highlights

Eurobike 2017 – Eindrücke und Highlights

Reisen ist Raum fürs Überraschen-Lassen – Moab Teil 2

Reisen ist Raum fürs Überraschen-Lassen – Moab Teil 2