Was Synapsenverbindungen mit Mental-Coaching zu tun haben

Was Synapsenverbindungen mit Mental-Coaching zu tun haben

In diesem Interview hat Daniela uns Erkenntnisse aus ihrem Arbeitsleben verraten und uns Mountainbikern Tipps gegeben. Weil ihr - und ich ;) - das Thema Mental Coaching so spannend finden, habe ich ihr weitere Fragen gestellt, in denen sie uns einen tieferen Einblick in ihr vielfältiges Arbeitsleben gibt:

Du bist mit deinem Unternehmen Freiwasser als Systemischer Coach und Sport Mental Coach selbständig. Verstehen deine Eltern, womit du dein Geld verdienst?

Mein Dad macht seit etwa 30 Jahren Triathlon, er hat einige Laufrekorde in Unterfranken aufgestellt. So hat er mich in vielem geprägt, wie ich den Sport sehe. Ich muss ihm meinen Job nicht erklären. Er versteht ihn. Er ist Österreicher und wurde vom ORF mal wertschätzend nach einem TV-Interview der „Triathlon-Philosoph“ genannt, denn er hat sich stets viel Gedanken um mentale Themen gemacht, bevor das Wort mentales Training öffentlichkeitswirksam wurde. Ich erinnere mich, dass er bereits autogenes Training machte, als ich noch Schülerin war. Er hat großes Verständnis für das, was ich mache und er liest jeden Blogbeitrag von mir und gibt mir oft Feedback. Es wird auch mal diskutiert (schmunzelt). Seine selbstreflektierende Art, seine Sensibilität und auch sein Umgang mit Nervosität bei Rennen haben mich auf meinem persönlichen Weg sehr beeinflusst. Meine Mum ist mit diesen Themen auch sehr vertraut, sie hat meinem Dad und auch mir schon sehr oft den Rücken frei gehalten und viel Toleranz für unsere Leidenschaft gezeigt. Irgendwann war ihr allerdings der lange Flug nach Hawaii zu lange, da muss mein Dad inzwischen alleine hinfliegen (lacht).

 Daniela Dihsmaier, fotografiert von Daniela Ruppert

Daniela Dihsmaier, fotografiert von Daniela Ruppert

Und wie erklärst du anderen, was genau ein Mental Coach macht?

Damit auch andere verstehen was ich als Mental Coach mache, möchte ich etwas zum Lernen vorausschicken: Lernen wird neurobiologisch mit der neuronalen Plastizität und der Neu-Verknüpfung von Synapsen erklärt. Festgefahrene Denkmuster sind also bestehende Synapsenverbindungen, die es zu durchbrechen gilt. Genau da setze ich bei meinen Klienten an. Das Ziel ist jedes Mal, neue Verhaltensweisen und Assoziationen definieren und einzuüben, weil die alten nicht mehr zufrieden machen.

Wer sind deine Klienten?

Meine Klienten sind ganz unterschiedlich: Führungskräfte, «normale» Angestellte, Eliteathleten und leistungsorientierte Amateure. Zwei Gemeinsamkeiten haben die meisten meiner Klienten: sie sind sehr leistungsorientiert und manchmal auch hochsensitive Personen. Als HSP (Anmerkung: Das ist die Abkürzung für hochsensitive Person) werden Menschen bezeichnet, die eine hohe Reizwahrnehmung haben und ihre Umwelt reiz-vielfältiger und detailreicher wahrnehmen. Oft sind Menschen mit »klassischer« Hochbegabung gleichzeitig auch hochsensitiv.

HSP sind nicht nur introvertierte Menschen, es gibt auch Empfindsame, die die Herausforderung suchen – auch wenn HSP nicht sehr risikoaffin sind, langweilen sie sich leicht. Und so kommt es, dass auch im Leistungssport hochsensitive Menschen zu finden sind. Wer dazu mehr wissen will, findet einen Blogbeitrag dazu bei mir auf der Webseite.

 Bildrechte: Daniela Dihsmaier / Freiwasser

Bildrechte: Daniela Dihsmaier / Freiwasser

Mit welchen Fragestellungen kommen Klienten zu dir?

Summa summarum ist der Aufbau von Selbstvertrauen ein ganz wesentliches Thema vieler Coachings. Meist ist das den Klienten am Anfang selbst nicht bewusst, doch während der Zusammenarbeit kommt oft ans Licht, dass genau da der Schuh drückt. Denn gerade leistungsorientierte Menschen suchen oft die Anerkennung von außen und neigen zu perfektionistischem Handeln. In unserer Gesellschaft gilt das leider immer noch als Ideal, sich als perfektionistisch zu bezeichnen. Das ist langfristig ziemlich ungesund. Hier ist es wichtig, die eigenen Ressourcen stärker zu erkennen und am Loslassen zu arbeiten. Damit verwandt sind die Themen Stress, Leistungsdruck, zu starke Wettbewerbsorientierung und Angst. Wer sich zu viel Druck macht und immer der oder die Beste sein will, bringt im Wettkampf auch nicht die Leistung, die er im Training zeigen kann. Und wer immer alles richtig machen will, ist irgendwann durch diesen Kontrollzwang zu selbsterschöpft, um noch Leistung zu bringen.

Viele Einzelklienten fragen sich auch, ob sie noch den richtigen Job ausüben oder wenn sie aus dem Profisport kommen, welcher Job nach der aktiven Sportlerlaufbahn der Richtige für sie ist. Manchmal haben meine Klienten auch keine Lust auf Sport und suchen bei mir Motivation. So habe ich mit einer Klientin schon erlebt, dass wir da ziemlich schnell gemerkt haben, dass wir den Bogen über Chef, Job und Beziehung erweitern müssen. Eben weil keine Selbstkontrolle mehr aufgebracht werden konnte, um sich für den Sport zu motivieren. Der Kopf hatte den ganzen Tag schon Disziplin aufbringen müssen, um die negativen Emotionen wegen des Chefs und der partnerschaftlichen Probleme zu unterdrücken. Das Sofa daheim war der nötige Ruhepol, es ging einfach kein Sport mehr. Erst als wir die Baustellen ausserhalb vom Sport saniert hatten, konnten wir das Thema Sport-Motivation angehen. Das war dann interessanterweise recht leicht - wir haben einige Erinnerungshilfen zuhause, im Büro und im Auto installiert und schwupps lief es bei ihr. Inzwischen hat sie alle ihre Ziele erreicht, ich bekomme oft per Whatsapp noch sehr glückliche Fotos von ihr.

Wie läuft ein Sport Mental Coaching ab?

Da gibt es keinen grundsätzlich gleichen Ablauf – jedes Coaching verläuft anders. Darin liegt auch die Leistung eines guten Coachs, es braucht Einfühlsamkeit, um auf den Klienten und seine Bedürfnisse und Ziele individuell einzugehen. Häufig beginnt es als Sport Mental Coaching und endet in einem alle Lebensbereiche berücksichtigenden systemischen Coaching. Daher habe ich beide Ausbildungen. Auch Hypnose-Techniken lasse ich bei Bedarf einfliessen.

Abgesehen von deinen sportlichen Fähigkeiten - was kannst du noch gut?

Ich schreibe gerne. Im Frühjahr habe ich mein Schreibfernstudium abgeschlossen und arbeite, wenn es sich zeitlich ergibt, an meinem eigenen Buch. Oh (lacht), und ich habe mal in der Schule einen Vorlesewettbewerb gewonnen. (Überlegt.) Ich habe, so sagen andere, einen sehr guten Geruchssinn, deswegen esse ich vermutlich so gerne. Auweia. Nächste Frage, schnell, ich werde rot (lächelt verlegen).

Wenn du nicht Triathletin wärst – wie würdest du die Zeit verbringen, in der du trainierst?

Von 2009 bis 2011 war ich schwer krank. Ich hatte zwei fast tödliche Lungenembolien und kurz darauf nacheinander zwei schwere Knochenbrüche und eine Gehirnerschütterung. Da habe ich mir genau diese Frage oft gestellt. Das Schreiben, so merkte ich, fließt besser, wenn ich meinen geliebten Sport machen kann. Früher habe ich Ballett gemacht, Basketball gespielt und Hochsprung geliebt. Aber jetzt würde mir Triathlon sehr fehlen. Vor allem das Zeitfahren, ich liebe es, weil es für mich so ähnlich ist wie fliegen. Da fühlt sich im Idealfall alles leicht und schwerelos an. Ein klassischer Fall von Flow ;)

Vielen Dank für die spannenden Einblicke in dein Arbeitsleben, liebe Daniela!

Du möchtest mehr über Mental Coaching erfahren? Dann lese Danielas Blog und folge ihr auf Instagram (@gazellensport) und Facebook (@Freiwasser). Daniela Dihsmaier ist mit ihrem Unternehmen Freiwasser selbständig und schreibt ausserdem als freie Autorin für das Trainer-Fachmagazin LEISTUNGSLUST und www.tritime-women.de, ein Triathlon-Magazin für Frauen.

Das Titelbild hat mir David Schultheiß freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Ich finde es passend weil es Spass am Mountainbiken visualisiert - auch auf schwierigeren Trails und in schwierigerem Gelände. Wem das Bild gefällt, findet mehr auf Davids Website oder auf Instagram (@ds_visuals).

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