8 Antworten auf die wichtigsten Fragen zu einem USA-Roadtrip mit Mountainbike

8 Antworten auf die wichtigsten Fragen zu einem USA-Roadtrip mit Mountainbike

Die Vorstellung vom sich-treiben-lassen, von Freiheit und Ungebundenheit, vom in-den-Tag-reinleben war ausschlaggebend für unsere Entscheidung, unseren (Jugend-)Traum vom Roadtrip durch die USA letztes Jahr zu verwirklichen. Gut vorbereitet wollten wir trotzdem sein – drei Wochen Urlaub am Stück hat man ja nicht alle Tage (ich zumindest nicht)! Unsere Erfahrungen möchte ich nun mit euch teilen. Zur besseren Orientierung habe ich sie in Fragen und Antworten strukturiert.

1) Wetter: Wann ist die beste Reisezeit für einen Roadtrip mit Mountainbikes?

Das kommt natürlich darauf an, durch welchen Teil der USA ihr fahren beziehungsweise wo ihr mountainbiken wollt und bei welchen Temperaturen und Witterungsverhältnissen 😉

Für den Südwesten eignen sich Frühjahr – April bis Ende Mai – und Herbst – September und Oktober. Im Sommer wird es mit über 40 Grad brütend heiß, sodass man nur sehr früh oder abends mountainbiken kann.

Wir waren Ende Mai / Anfang Juni unterwegs, was ich bezüglich Temperaturen sehr angenehm empfunden habe – auch wenn wir in Durango leider sehr starken Regen hatten und in Moab den oberen Teil von „The Whole Enchilada“ aufgrund von Schnee am Burro Pass noch nicht fahren konnten (alle anderen Trails in Moab waren fahrbar). Tagsüber war es stets sommerlich warm oder sogar heiss (in Sedona) und abends konnten wir immer draussen sitzen – Urlaubsfeeling pur 😊

 Auf dem Weg nach Moab.

Auf dem Weg nach Moab.

2) Wohnmobil: Wo können wir ein Wohnmobil mieten?

Die Wohnmobile oder Camper werden in den USA Recreational Vehicle oder kurz RV genannt und von Anbietern wie Cruise America, El Monte und Road Bear vermietet. Sie bieten Fahrzeug in unterschiedlichen Grössen und Altersklassen an. Wer das RV wieder an den Abholort zurückbringt, hat in der Regel eine grössere Auswahl an Fahrzeugen als bei einer one way Miete.

Wichtig ist, sich frühzeitig zu informieren und natürlich auch zu buchen. Wir waren im Januar für einen Urlaub im Mai / Juni mit zwei Spezialwünschen – one way von Denver nach San Francisco, kleines Fahrzeug – eher spät dran. Diese Kombination war bei allen Direktvermietern bereits ausgebucht. Daher haben wir unser RV über CANUSA gebucht, wo ein kleiner Camper laut Website für die Strecke noch verfügbar war. Nach der Buchung hat sich dann allerdings herausgestellt, dass auch bei CANUSA nur noch grosse RVs verfügbar waren, sodass wir am Ende mit einem 30-Fuss langen Camper unterwegs waren – mit einem so langen Fahrzeug zu fahren, gehört nicht unbedingt zu meinen life goals. Egal, ich habe es gemacht – so lange ich vorwärts fahren konnte. Das Rückwärts-Einparken habe ich meinem Freund überlassen, der das sogar im Dunklen souverän gemacht hat.

Zu sehr sollte man sich von einem langen RV allerdings nicht abschrecken lassen - die Strassen in den USA sind bekanntlich breit und die meisten Campingplätze bieten Pull Through Sites an - das sind Stellplätze, in die man vorwärts rein- und auch wieder rausfahren kann.  

Zu den Stellplätzen gehört in der Regel auch ein Picknick-Tisch mit Bank sowie eine Grillstelle. Das Angebot, doch Tisch und Stühle sowie einen Grill zu mieten, kann mal also getrost ablehnen. Es sei denn, man ist sehr picky und Tisch und Bank abwischen bevor man sich selber draufsetzt ist einem nicht hygienisch genug. 

 Bei einem von vielen Stopps wegen der schönen Aussicht. Hier auf dem Weg von Denver nach Durango.

Bei einem von vielen Stopps wegen der schönen Aussicht. Hier auf dem Weg von Denver nach Durango.

3) Campingplätze: Buchen wir alle Campingplätze vor oder entscheiden wir spontan?

Wir haben einen Mittelweg gewählt: Das Hotel direkt nach der Ankunft in Denver hatten wir vorgebucht. Die Vorstellung nach einem Langstreckenflug die Beine in Ruhe ausstrecken zu können ist für mich einfach verlockender als übermüdet mit Bike Travel Bags im Schlepptau nach einem Hotel zu suchen. Auch für die letzten drei Nächte in San Francisco hatten wir vorab ein Zimmer gebucht und abgeklärt, ob / wo wir unsere Bikes dort sicher unterbringen können.

Für den „richtigen“ Roadtrip haben wir nichts vorgebucht. Denn es war uns trotz grober Routenplanung wichtig, flexibel entscheiden zu können wo wir tatsächlich wie lange bleiben wollen, was sich für uns auch als gut und richtig erwies: wir sind nicht nur einmal leicht von unserer ursprünglichen Planung abgewichen 😉. Vor Ort haben wir überall einen Stellplatz bekommen – mit einer Ausnahme: die Auslastung des State Park in Morro Bay am Memorial Day Wochenende hatten wir unterschätzt. Der Campingplatz sei ausgebucht, teilte uns eine freundliche Mitarbeiterin mit, als wir in der Früh anriefen um zu reservieren. Prinzipiell kann man mit den amerikanischen RV’s auch „wild“ campen – ein paar Tage überlebt man auch ohne Strom- und Wasseranschluss mit den im RV vorhandenen Vorräten. Im Morro Bay State Park – wie in allen anderen State Parks auch –  ist das allerdings verboten. Glücklicherweise waren direkt am Check-In freie Parkplätze – dort haben wir uns kurzerhand hingestellt, als wir um Mitternacht angekommen sind. Wir waren gerade dabei, unsere Zähne zu putzen, da klopfte es an der Tür: „State Park Control“ ertönte eine tiefe Stimme.  Auch hier dürfen wir nicht stehen, erfuhren wir von dem Park Ranger. Er empfahl uns, auf einem Feldweg irgendwo in der Nähe zu parken. Unweit des Campingplatzes fanden wir eine kleine Parkbucht, in der das Campen nicht verboten war. Und am nächsten Tag ist doch noch ein Stellplatz für uns frei geworden 😊 Was lernen wir daraus? für das Memorial Day Wochenende am besten vorbuchen – egal wo.

 Einer unserer drei Stellplätze in Santa Barbara - ausnahmsweise mal kein Pull-Through.

Einer unserer drei Stellplätze in Santa Barbara - ausnahmsweise mal kein Pull-Through.

4) Mountainbikes: Nehmen wir unsere eigenen Mountainbikes mit oder leihen wir vor Ort?

„Mein geliebtes Mountainbike soll auch die Trails in den USA kennenlernen!“ war mein erster Gedanke bei dieser Frage. Natürlich sind wir das Thema auch etwas rationaler angegangen und haben die Pros und Cons für den Mountainbike-Transport im Flugzeug abgewägt.

Dafür, das eigene Mountainbike mitzunehmen, sprechen die folgenden Gründe:

  • Du bist unabhängig von den Öffnungszeiten der Mountainbike-Verleihe.
  • Du kannst dein Mountainbike auch als Transportmittel nutzen und bist vor Ort mobil(er) – zum Beispiel um Lebensmittel einzukaufen oder um abends zu einem Restaurant außerhalb des Campingplatzes zu rollen.
  • Du fährst dein eigenes, auf dich eingestelltes Radl, sprich bist mit vertrautem Material in deiner Größe unterwegs.
  • Du sparst dir die Zeit, an einem neuen Ort nach einem Mountainbike-Verleih zu suchen sowie das Hin- und Zurückgehen bzw. -fahren.

Gute Gründe gibt es zweifelsohne auch dafür, vor Ort Mountainbikes zu leihen und die eigenen zu Hause zu lassen:

  • Du schonst dein Radl UND umgehst die Gefahr, dass auf dem Transport im Flugzeug etwas kaputtgeht.
  • Du sparst dir die Zeit fürs Ein- und Auspacken des Mountainbikes jedes Mal wenn es an einen anderen Ort geht (wir haben die Räder im Bikekoffer im Wohnmobil transportiert).
  • Du reist wendiger und hast es einfacher bei weiteren Transfers wie zum Beispiel vom Flughafen zum Hotel oder zur Mietwagenstation, da normale Taxis in der Regel zu klein für den Bike-Transport sind, d.h. du musst dich im Vorfeld darum kümmern. (Eine gute Alternative sind Öffentliche Verkehrsmittel: Wir sind sowohl in Denver als auch in San Francisco vom / zum Flughafen und Camper-Mietstation öffentlich gefahren. Es war zwar etwas anstrengend, beide Hände voll zu haben – in einer Hand den Koffer, in der anderen den Bikekoffer – hat aber sehr gut geklappt. Und war natürlich unschlagbar günstig 😊).

Darüber hinaus haben wir grob überschlagen, wann sich der Preis für den Flug rechnet: Unter der Annahme, dass die Transportkosten bei ca. 200 USD liegen (ca. 100 USD pro Weg und Mountainbike, je nach Fluggesellschaft) und die Leihgebühr pro Tag für ein Fully 75 bis 100 USD beträgt, rentiert sich das Mitnehmen, wenn man vorhat, mehr als drei Tage zu radeln. Das hatten wir! Und Fahrradkoffer ebenso. Damit war unsere Antwort auf diese Frage: wir nehmen unsere eigenen Mountainbikes mit.

Die Vor- und Nachteile eines Fahrrad-Transports im Flugzeug muss jeder für sich abwägen. Es ist meiner Meinung nach keine rein objektive Entscheidung, sondern spiegelt nicht zuletzt die persönlichen Vorlieben wider: bekanntes eigenes Mountainbike versus fremdes Leihbike. Wenn man das eigene Mountainbike mitnimmt, auf jeden Fall einen Non-Stop Flug buchen. Auch wenn der etwas teurer ist – im Fall der Fälle ("verlorenes" Bike) erspart ihr euch eine Menge Zeit und Ärger. Ich persönlich würde auch rückblickend wieder so entscheiden – vor allem, weil ich es als sehr angenehm empfand, unabhängig zu sein und die Trails auf meinem mir vertrauten Radl zu fahren.

 Alle Hände voll - Reisen mit Mountainbike.

Alle Hände voll - Reisen mit Mountainbike.

5) Biketransport: Was müssen wir beim Biketransport im Flugzeug beachten?

Nachdem die Entscheidung gefallen ist, dass wir die eigenen Mountainbikes mitnehmen, stand schon die nächste Frage im Raum: was müssen wir bei der Fahrradmitnahme im Flugzeug beachten? Ich habe euch die wichtigsten Punkte zusammengestellt:  

  • Anmeldung: Ein Fahrrad ist Sportgepäck, das bei der Fluggesellschaft angemeldet werden muss - wie (bei er Buchung, telefonisch, etc.) ist von Fluggesellschaft zu Fluggesellschaft unterschiedlich. 
  • Gebühr: Die Gebühren für die Fahrradmitnahme variieren je nach Fluggesellschaft. Bei uns lagen sie bei ca. 100 USD pro Weg und Mountainbike.
  • Verpackung: Das Fahrrad muss in einem Karton, einem Hartschalenkoffer oder einer Fahrradtransporttasche verpackt sein. Detaillierter Vorgaben bei der Fluggesellschaft erfragen. Falls ihr noch Bike-Rucksack, Klamotten etc. in den Fahrradkoffer legen wollt – beachtet unbedingt die Gewichtsbeschränkungen (in der Regel nicht mehr als 23 kg) 
  • Check-In: Das verpackte Fahrrad bei Sperrgepäck einchecken.

Auf meine Frage, wie viele Reklamationen es beim Fahrrad-Transport gibt, erhielt ich die Antwort, dass das Sperrgepäck händisch verladen wird und es daher kaum Reklamationen gibt. Pedale demontieren reduziert das Risiko weiter 😉

6) Trails: Wie finden wir die guten Trails?

Ein sehr gutes und übersichtliches Tourenportal, in dem wir viele schöne Trails gefunden und heruntergeladen haben ist www.mtbproject.com.

Generell sind die Trails überall, wo wir waren -  Durango, Sedona, Moab und Santa Barbara – sehr gut ausgeschildert. An den Trailheads gibt es Übersichtskarten und auf den Trails immer wieder Markierungen, Schilder und Übersichtskarten mit Standort-Markierung, die es einem auch in unbekanntem Gelände leichtmachen, sich zu orientieren. Im Prinzip kann man rein danach fahren. Wir hatten zusätzlich trotzdem immer einen GPS Track dabei und manchmal auch Karten (ich mag Karten – außerdem konnten wir durch deren Kauf auch die Trailinstandhaltung in Moab unterstützen).

Darüber hinaus haben wir auch von Locals Tourentipps bekommen oder eine kleine Tour zusammen gefahren. Mit den Locals sind wir rasch ins Gespräch gekommen – sie waren immer sehr nett und hilfsbereit, besonders wenn sie erfahren haben, dass wir extra zum Mountainbiken aus Europa hergeflogen sind. Das hat sie stolz gemacht.

Anmerkung zu  E-Mountainbikes: E-Mountainbiker haben wir auf den Trails nicht gesehen. Das liegt daran, dass E-Mountainbikes als motorisierte Fahrzeuge gelten und auf Mountainbike-Only-Trails verboten sind. Es gibt aber auch Trails, die man mit dem E-Mountainbike legal befahren darf. Wenn du also E-Biker bist und in den USA mountainbiken möchtest, informiere dich vorab gut, wo du radeln kannst und ob du dein E-Bike im Flugzeug mitnehmen kannst.

 

7) Routenwahl / Navi: Was ist bei der Routenwahl zu beachten? Und: Brauchen wir ein Navi?

Bei der Routenwahl sind meiner Meinung nach zwei Punkte zu beachten. Die Entfernungen und die Streckenwahl. Die Distanzen in den USA sind gewaltig und werden leicht unterschätzt. Nicht nur für die Nationalparks – auch um von A nach B zu kommen sollte man genügend Zeit einplanen um das Land nicht nur durch die Windschutzscheibe zu sehen. In der Regel gibt es verschiedene Optionen um zum nächsten Ziel zu gelangen – es lohnt sich, vorher zu recherchieren, welche Strecke die schönste sein soll.

Gerade wenn man sich für die hübschen, kleineren Strassen entscheidet, kommt man manchmal etwas langsamer voran – nicht nur, weil ihre geringe Breite oder ihre Kurven einen zwingen, das Tempo zu drosseln, auch verspürt man immer wieder das Bedürfnis anzuhalten, um die Ausblicke zu genießen. Es ist ja ein Roadtrip – da ist der Weg das Ziel. Manche Strassen sind selber Reiseziele – wie zum Beispiel die Strecke von Grand Junction über den Million Dollar Highway nach Durango. Die sogenannten „Scenic Drives“ sind nicht einfach Strassen zu einem neuen schönen Ort, sie bieten ununterbrochen Blicke auf atemberaubende Landschaft.

Das Navi entscheidet nur zwischen schnellster oder kürzester Strecke – die Schönheit einer Strecke ist kein Auswahlkriterium. Deswegen sind wir nicht nach Navi gefahren. Nur zur Orientierung in Städten haben wir hin und wieder eine Offline-Karte genutzt (wir hatten keine Datenrate und nur im WLAN Internet).

 Stopp auf der Route 66

Stopp auf der Route 66

8) Sonstige: Was ist sonst zu beachten?

Divers Tipps wie zum Beispiel Details zu Transfers und Trails oder eine Einkaufsliste für den ersten Einkauf bzw. die Grundausstattung findet ihr in den einzelnen Blogposts:

Meine Pläne für die Bikesaison 2018

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#mtbgirl und #mtbwoman - zwei Worte für das gleiche oder unterschiedliche Messages?

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